Fakultät für biomedizinische Wissenschaften

So bereiten sich die jungen Forscher auf eine schwierige Karriere vor

Dienstag, 17. November 2020 ca. 5 Minuten lesen In lingua italiana

Auf dem neuen Campus est der BioMed PhD Day 2020, Treffpunkt und Austausch über Projekte für die Doktoranden in biomedizinischen Wissenschaften der USI. Drei Jahre Studium und Forschung in einem höchst konkurrenzfähigen internationalen Umfeld
von Paolo Rossi Castelli

Ein Tag des Zusammenseins, um sich kennenzulernen, Ideen und Projekte vorzustellen, zwischen den Betonwänden und langen, vertikalen Fenstern des neuen Campus USI-SUPSI in Lugano: Ein «essentieller» Ort, der sich noch teilweise in der Fertigstellung befindet, aber Modernität und Dynamik vermittelt, genau wie das Alter und die Einstellung der Studenten der Doktoratsschule für biomedizinische Wissenschaften, die sich am 9. Oktober zur Teilnahme am BioMed PhDay 2020, organisiert von der Università della Svizzera italiana, getroffen haben. «Wir sind eine neue, erst vor zwei Jahren gegründete Schule, aber wir haben bereits 31 Studenten, deren Zahl kurz-/mittelfristig auf 50 ansteigen kann – erklärt Alain Kaelin, Direktor des Neurocentro della Svizzera italiana und Koordinator des Gremiums, das die Schule «leitet». – Das sind bedeutende Zahlen, die belegen, dass es eine derartige Initiative braucht. Ausserdem kann man eine Fakultät für Medizin ohne Doktoratsschule nicht erfolgreich aufziehen: Das haben wir von Anfang an gesagt und das haben wir bewiesen. Etwas abstrakter betrachtet ist es allerdings das Forschungswesen des Tessins in seiner Gesamtheit, das eine Doktoratsschule braucht».

Anmelden (bzw. bewerben) können sich Absolventen in «life sciences» (Medizin, Biologie, Chemie und Pharmazie), die bereits einen Vertrag und somit einen Arbeitsplatz bei einem Tessiner Forschungsinstitut haben. Die Kurse und das Forschungsprojekt dauern mindestens drei Jahre; Erst danach, bei positivem Ergebnis der Prüfung und der Besprechung der Dissertation, wir der Doktortitel verliehen... Viele arbeiten dann als sogenannte Postdocs weiter in den Forschungslaboren, müssen sich aber selbst um die Finanzierungen kümmern, um ein Gehalt zu haben, während sich zuvor die Doktorväter um die Beschaffung der Geldmittel kümmerten. Und das macht den Unterschied, denn die Basis für den Erfolg und für die Aufnahme in die Forschungslabore in aller Welt (das Leben der Forscher ist recht mobil) hängt eben von der Fähigkeit ab, die Finanzierung der eigenen Forschung (durch Schweizer oder internationale Einrichtungen, aber auch Pharmaunternehmen) sicherzustellen. Und wie kommt man zu solchen Finanzmitteln? «Die sehr harte Regel lautet „publish or perish“: Veröffentlichen (in akkreditierten wissenschaftlichen Zeitschriften) oder sterben – erklärt Vittorio Limongelli, Professor für Pharmakologie und Computerbiologie an der USI und Gremiumsmitglied der Doktoratsschule. – Und auf internationaler Ebene herrscht eine starke Konkurrenz».

Manche promovierte Doktoren schlagen auch eine universitäre Laufbahn ein. Andere hingegen verlassen dieses Umfeld, um für private Unternehmen oder Behörden zu arbeiten. «Alles in allem eine lange und sehr beschwerliche Karriere, – so Limongelli weiter – wobei man auch beachten muss, dass die Anzahl an Professorenposten oder Stellen als „gruppenleitender“ Forscher auf nationaler und internationaler Ebene niedriger ist als die Anzahl der Doktoranden. Wer den Weg der Forschung einschlägt, macht dies aus Leidenschaft, nicht des Geldes wegen. Es gibt viel besser vergütete Berufe. Aus meiner Sicht aber ist die Möglichkeit, brillante Denker zu treffen, mit ihnen zu arbeiten und zur Ausbildung junger Forscher beizutragen, die unsere Welt bietet, unbezahlbar».

Der Studienplan der Doktoratsschule der USI besteht zu 80-90% aus Forschung und nur zu 10-20% aus Kursen, also klassischem (theoretischem und praktischem) Unterricht und Seminaren oder Tagungen, auch als Vorbereitung auf die Welt der Kongresse. Die Schule bietet sechs verschiedene Zweige: Immunology and cell biology; Cancer biology and oncology; Neurosciences; Cardiovascular; Drug sciences; Public health. Die Senior-Forscher schlagen die möglichen Bewerber vor, die dann von einem eigens dafür eingerichteten Gremium, das vom Universitätsrat einberufen wird und das sich aus namhaften Personen zusammensetzt, beurteilt werden. «Am Ende des dreijährigen Kurses wird dann ein thesis supervisor benannt, der den Ausbildungsverlauf der einzelnen Doktoranden und den Wert der Forschungstätigkeiten beurteilt – sagt Andrea Alimonti, Professor für Onkologie an der USI und ebenfalls Gremiumsmitglied der Doktoratsschule. – Eine der Voraussetzungen, um den Titel zu erlangen, ist die Veröffentlichung mindestens einer Studie als Erstverfasser».

Eine Schule von so hohem wissenschaftlichen Wert hat für die Università della Svizzera italiana in Wirklichkeit sehr niedrige Kosten: Sie beschränken sich auf die Logistik (Hörsäle und Tagungsräume), das Sekretariat und einen Teil der Zeit einiger Professoren, die neben der normalen Lehrtätigkeit auch diese besonders Studenten begleiten müssen. Die Tätigkeit der Doktoranden wird, wie gesagt, direkt von den Forschungsinstituten, an denen sie arbeiten, in Form von Stipendien (den «grants») und sonstigen Finanzierungen getragen. Der Kanton stellt keine Mittel zur Verfügung («Das gilt allerdings für die ganze Schweiz», präzisiert Kaelin) und spart in gewisser Hinsicht sogar: «Jeder Doktorand, der früher aus dem Tessin geschickt wurde, kostete die Kantonskassen rund 50.000 Franken pro Jahr – so Kaelin. – Jetzt ist diese „Emigration“ immer seltener». Die Absolventen schrieben sich an den Doktoratsschulen in Lausanne, Zürich oder anderer Universitäten ein. «Das geschieht jetzt seltener – ergänzt Andrea Alimonti. – Die Herausforderung lautet, dass alle Laborleiter ihre Doktoranden an die USI schicken. Da wäre es edel und angebracht, dass auch öffentliche Geldmittel fliessen».

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