ZUKUNFTSSZENARIEN

Innovative Forschung? Raus aus den Laboren, um zu Patenten und Start-ups zu werden

Samstag, 20. Februar 2021 ca. 4 Minuten lesen In lingua italiana

Luca Maria Gambardella, Prorektor für Innovation und Geschäftsbeziehungen an der Università della Svizzera italiana, skizziert die Strategien, um immer mehr akademisches Wissen in die reale Wirtschaft zu bringen
von Giovanni Caprara

«Forschung, Bildung, Wissenstransfer. Es gibt zahlreiche, aber wenig koordinierte Initiativen und individuelle Errungenschaften in diesen Bereichen. Die Notwendigkeit, einen derartigen Reichtum an Aktivitäten zu organisieren, ist mein Ziel. Mit anderen Worten, es ist wichtig, die mit konkurrenzfähigen, jährlich über 18 Millionen schweren Geldmitteln generierten Früchte von der Forschung in die Gesellschaft, auf den Markt und in die Wirtschaft zu bringen: Eine grossartige Herausforderung, die unser Zutun verdient und viele Vorteile bedeuten kann». Mit Stolz erzählt Luca Maria Gambardella von den Zielen, die er als neuer Prorektor für Innovation und Geschäftsbeziehungen an der Università della Svizzera italiana skizziert. Als Koryphäe auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (er hat 25 Jahre lang das Dalle-Molle-Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz geleitet) unterrichtet er jetzt auch an der Fakultät für Informatik der USI dieses schwierige Fach, das alle vom Menschen gemachten Maschinen immer mehr steuert. Zusätzlich leitet er einen Master zum Thema KI. 

«Meine Mission ist es – wie er betont – den Transfer unserer Errungenschaften durch Schaffen eines Chancen-Netzwerks zu erleichtern und gleichzeitig die Sensibilität der Akademie in diese Richtung zu schärfen und mit Entschlossenheit auf Innovation, die Gründung von Start-ups und die Anmeldung von Patenten zu setzen. Dies wird vor allem am neu gebauten Standort in Viganello, am Campus est, in der Nähe der alten Universitätsgebäude, stattfinden. Dort befinden sich jetzt das Institut für Informatik und die Fakultät für Biomedizin unter einem Dach, gegenüber ist die Abteilung für innovative Technologien der SUPSI untergebracht. Ausserdem haben wir das USI Startup Centre, das sich zuvor ausserhalb des akademischen Umfelds befand, an den Campus est verlegt. Das Zentrum ist ein wahrer, für Universitäten und Unternehmen offener Inkubator, in dessen Umfeld bereits rund dreissig inkubierte Unternehmen und rund fünfzig Unternehmen in Inkubation agieren. Auf diese Weise haben wir ein Ökosystem geschaffen, in dem die Innovatoren die Inspiration der Professoren aufgreifen können, während unsere Dozenten ganz unkompliziert die jungen Leute voller Enthusiasmus begleiten können.

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Die Ziele und Strategien von Prorektor Gambardella sind genau definiert und betreffen vor allem die potentielle Auswirkung auf die Produktion. «Wir brauchen eine praktische Umsetzung der Forschung, mit einem stets offenen Ansatz – wie er erklärt. – Wenn Unternehmen mit neuen Problematiken kommen, dann müssen wir neue Forschungsmöglichkeiten ergreifen, um entsprechend zu reagieren. Oftmals habe ich erlebt, dass eine Untersuchung aus den Anforderungen einer betrieblichen Tätigkeit heraus entstanden ist und für beide Seiten gewinnbringend war».

Parallel dazu hat Professor Gambardella neben der neuen Position als Prorektor der USI auch die Gesellschaft Artificialy ins Leben gerufen. «In den letzten Jahren – wie er präzisiert – hatten wir ein recht gängiges Problem in Bezug auf die Aufnahme von Erfahrungen mit Prototypen Künstlicher Intelligenz erkannt, da die Unternehmen, vor allem die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU), nicht das nötige Fachpersonal haben. Es gibt also Bedarf an Partnern, die in der Lage sind, funktionierende Lösungen zu finden. Zu unseren Kunden zählen sowohl KMU als auch grosse Schweizer Konzerne. Begonnen haben wir mit Fidinam, einer bedeutenden Tessiner Gesellschaft, mit Swisscom, mit dem Investmentfonds TiVenture und anderen lokalen Unternehmen, und die ersten Kunden sind jetzt unsere Teilhaber».

Die neuen akademischen und unternehmerischen Aufgaben aber konnten Luca Maria Gambardellas «dritter Seele», seiner Verbundenheit zur Kunst und Literatur, der er sich schon immer mit Hingabe gewidmet hat, nichts anhaben. «Nach einer „kulturellen Unterhaltung“ in Lugano in Bezug auf ein Spiel zu 2020, bei dem die Zahlen die Winde der Kultur und digitalen Innovation wurden, habe ich das „Atelier dei Venti“ gegründet, um die Begegnung zwischen Künstlern und Wissenschaftlern zu fördern. Die Initiative fand grossen Anklang und so kam es zu einer generellen Vermengung aus Wissenschaft und Kultur, aus der für eine Stadt, die wachsen möchte, neue, grosse Ideen entstehen können». Ein künstlerisch-wissenschaftliches Engagement, das im Geist des Werks «Illusa fingo sogni fasulli» fortlebt, das vor kurzem im Ausstellungsbereich der Via del Teatro in Bellinzona ausgestellt wurde.

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